Der Zauber der Rauhnächte

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Isabel
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Der Zauber der Rauhnächte

Beitrag von Isabel »


Alles wiederholt sich im Jahreskreis.
Wintersonnwende, Weihnachten, Neujahr…

Die letzten Wochen waren geprägt vom Vorbereiten auf Weihnachten, der Adventszeit mit ihren heimeligen Ritualen.
Über Geschenke nachzudenken, Karten zu schreiben mit persönlichen Texten oder sie zu basteln.

Dann findet das Fest statt, die Familie trifft sich bzw. jeder gestaltet die Tage, wie er kann und möchte.
Schnell ist die Zeit auch wieder vorbei.

Heuer hat es geschneit und in vielen Regionen ist Kälte eingezogen.
Gleich wirkt alles festlicher und ein wenig bleibt die Zeit stehen.
Nicht stehen, aber die Uhr läuft langsamer.
Zwischen den Jahren.

Die Natur rückt in den Vordergrund bzw. ihre kleinen, oft verstecketen Details.
Wasserstellen frieren zu, das Plätschern im Teich wird einige Töne tiefer und dumpfer.
Die Stauden mit ihren verdorrten Blütenständen sind mit Schnee oder einer Eishaube bedeckt. Es weht ein eisiger Wind.

Und jetzt ist sie gekommen, die Zeit der Rauhnächte.
Mit „Räuchern“ im Kräuteraromalämpchen in vereinfachter Form, was ich allerdings täglich mache, denn nichts riecht so gut wie Lavendel, Salbei und Rose, wenn die ätherischen Öle verdampfen und ihren Duft freisetzen.

Die Nächte zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige werden als Rauhnächte bezeichnet.
Zwölf Nächte, die für einen der zwölf Monate stehen und dazu einladen, zurückzublicken. Velleicht im Buchkalender oder in den Aufzeichnungen zu blättern und Revue passieren zu lassen, wie das Jahr verlaufen ist.
Wie war das Wetter, welche Projekte wurden verfolgt, welche Feste fanden statt?

Die erste Rauhnacht beginnt in der Nacht auf den 25. Dezember, die letzte endet um Mitternacht des 5. Januars.
Nun kann auch das Wünsche-Ritual beginnen, was die Zeit zwischen den Jahren „versüßt“ und spannender macht.
Hierfür werden 13 simple Wünsche formuliert, auf einen Zettel geschrieben, gerollt und unleserlich in ein Kästchen gelegt.

Es geht nicht darum, materielle Wünsche ans Universum zu schicken, sondern bewusst den eigenen Sinn zu erspüren:
Was ist mir wichtig, was macht mich zufrieden und erfüllt mich mit Freude? Was erhoffe ich mir?

Am 25. Dezember nimmt man einen ersten Zettel und verbrennt ihn ungelesen im Freien in einer feuerfesten Schale.
Der soll im jeweiligen Monat des neuen Jahres in Erfüllung gehen.
Das wiederholt sich nun, bis von den Wunschzetteln nur noch einer übrig ist.
Dieser letzte Wunsch wird nicht verbrannt, sondern gelesen.
Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist man allerdings selbst gefordert.

Die Rauhnächte sind eine wunderbare Gelegenheit, zu reflektieren und sich aus dem Alltags- und Weihnachtstrubel zurückzuziehen.

Jahresausklang.


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Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters.
Khali Gibran
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