Viscum album - weißbeerige Mistel

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Isabel
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Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Isabel »


Seit jeher fasziniert sie Menschen und rückt vor allem in der Adventszeit in den Fokus, die weißbeerige Mistel (Viscum album), eine Pflanzengattung innerhalt der Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae).
Die Zweige des geheimnisvollen Baumbewohners werden gerne als immergrünes Dekomaterial genutzt.

„Von den Göttern selbst auf die Bäume gestreut“, so glaubten einst die Germanen, wurden und werden diesem Wintergrün besondere Wirkungen zugeschrieben.
Als Schutz vor Feuer, Blitz, bösen Geistern und Hexen wurde es an die Hauswand oder unters Dach gehängt und deshalb auch als Donner- oder Hexenbesen bezeichnet.

Bei der Mistel werden je nach bevorzugter Wirtspflanze drei Unterarten unterschieden: die Kiefernmistel, die Tannenmistel und die Laubholzmistel.
Laubholz-Mistel lebt auf Pappeln, Weiden, Apfelbäumen, Birnbäumen, Weißdorn, Birken, Eichen, Linden und Ahornen.
Bei den Nadelbäumen bevorzugt sie Kiefern und Tannen.

Alle sind sogenannte Halbschmarotzer: Sie betreiben zwar selbst Photosynthese (im Gegensatz zu den echten Schmarotzern), entziehen dem Wirtsbaum jedoch Wasser und Nährstoffe.

Während Bäume in Trockenzeiten ihren Wasserverbrauch stark reduzieren, verdunstet die Mistel das knappe Wasser nahezu ungebremst weiter.
Die Folge: Bereits durch Trockenstress geschwächte Bäume geraten zusätzlich unter Stress, werden anfälliger für andere Schadorganismen und können im Extremfall absterben.
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Vor allem im Winter fällt die Mistel auf, wenn sie als runder, grüner Knäuel auf kahlen Ästen sitzt.

Auch medizinisch wird die Mistel genutzt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt die Pflanze als alternatives Heilmittel gegen Krebserkrankungen.
Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie (eine alternative Heilmethode), führte das Kraut in der Tumortherapie ein. Sein Ansatz: Die Mistel entziehe ihrem Wirt – normalerweise ein Baum – Wasser und Nährstoffe und hungere diesen damit langfristig aus. Auch Krebs ließe sich auf diese Weise bekämpfen.
Bislang gibt es jedoch keine überzeugenden Studien, die eine Wirkung belegen.
Quelle: [External Link Removed for Guests]

Die Mistel ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt, männliche und weibliche Blüten wachsen getrennt voneinander auf zwei Pflanzen.
Misteln blühen erst nach fünf bis sieben Jahren zum ersten Mal, jahreszeitlich allerdings weit vor den meisten anderen Pflanzen: im Winter, zwischen Februar und März.

Ihre Blütenstände sondern eine Art Nektar mit orangenähnlichem Duft ab, der Fliegen, Bienen, Hummeln, Ameisen und viele andere Insekten anlockt, die für die Bestäubung sorgen.
Die Früchte reifen bis Anfang Dezember als weiße Scheinbeeren.

Die Mistel wächst extrem langsam, sie bildet erst nach zwei Jahren die ersten Blättchen und zeigt erst nach fünf bis sieben Jahren die ersten Blüten.
Da sie ihre Früchte nicht abwirft, ist sie auf die Verbreitung durch Vögel angewiesen.
Als wichtigste Verbreiter gelten Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Wacholderdrossel und Seidenschwanz.
Dabei nimmt sich die Natur eine spezielle Eigenschaft zuhilfe: die weißen Früchte sind so klebrig, dass ein Teil davon an Vogelschnäbeln haften bleibt. Vor allem Misteldrosseln und Seidenschwänze naschen gern von den Beeren. Wetzen sie ihren Schnabel an einem Zweig oder Ast, kleben die Mistelsamen an der Rinde des künftigen Wirtsbaumes fest.

Isabel
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Bernd.S
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Bernd.S »

Hallo Isabel

Ich finde die Pflanze auch faszinierend.
Nach mehreren Fehlversuchen konnte ich mir eine auf einer Felsenbirne per Samen ansiedeln.
Die Felsenbirne ist davon (noch) unbeeindruckt. In einigen Foren haben sie deshalb über mich geschimpft. Ich denke aber daß die
Pflanze nur für Obstbäume relevant ist, die nie gepflegt werden. Meine hab ich gerade geschnitten und sollten da überbordende
Mistelpflanzen darauf wachsen, wäre es ein Leichtes sie mit dem Pflegeschnitt zu beseitigen und zum Nachwachsen braucht sie viel Zeit, da ja offensichtlich nur eine Sproßachse mit je zwei Blättern pro Jahr gebildet werden. Last not least blüht sie dermaßen früh im Jahr, daß zumindest hier im Allgäu noch keine Bienen (oder selten) fliegen und dadurch ihre Ausbreitung erschwert ist.

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Zuletzt geändert von Tetje am So 18. Jan 2026, 11:46, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Foto mittig eingestellt
Viele Grüße
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Isabel
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Isabel »

Guten Abend Bernd,

wenn ich jetzt an deiner Stelle gewesen wäre, hätte ich nicht extra mit dem Fahrrad fahren müssen, um nach Misteln für die Fotos zu suchen. Dann hätte ich nur raus in den Garten gehen müssen. :--D

Dir einen schönen Abend,
Isabel
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Bernd.S
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Bernd.S »

Hallo Isabel,

die Mistel auf dem Foto ist selbstverständlich aus meinem Garten. Die hab ich selber aus Samen auf die Felsenbirne eingebracht.

Außerdem: Misteln sind bei uns sehr selten. Wenn überhaupt findest Du sie nur ganz hoch oben in Laubbäumen.
Zuletzt geändert von Admina am So 18. Jan 2026, 04:26, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zwei Sätze unsichtbar gemacht.
Viele Grüße
Bernd
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Isabel
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Isabel »

Hallo Bernd,

da habe ich mich wohl unglücklich ausgedrückt, sorry. :(
"Ich" war heute mit dem Fahrrad unterwegs und habe nach Misteln für die Fotos gesucht.
Und habe dich darum beneidet, dass "du" nur in "deinen" Garten gehen musstest.
(Ich hoffe, jetzt ist es besser zu verstehen, was ich damit meinte.)

Isabel
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Bernd.S
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Bernd.S »

OK, Danke Isabel.
Das war dann wohl ein Mißverständnis. Hab es zwar schon geahnt, aber den Beitrag konnte ich nicht mehr editieren.
Ich hab das nur gepostet, da ich erstaunt war, daß es auf der Felsenbirne geklappt hat. (und auf Apfel und "richtiger" Birne nicht).
Ist zwar ne langwierige Sache, lohnt sich aber :-)
Kannst ja von Deinem Standort schauen, ob im Februar oder so welche heruntergefallen sind.
Die Felsenbirne hat auch den Vorteil, daß sie nicht so groß wird wie normale Obstbäume.
Übrigens: Deine Ausführungen zu den Misteln ist wirklich gut und vollständig!
Und vielleicht noch interessant: In England gibt bzw. gab es komplette Sets zum Misteln sähen. Geht aber nicht mehr, wegen EU und Brexit.
Viele Grüße
Bernd
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Tetje »

Hallo Bernd,

ich habe das auch schon mehrfach versucht, leider ohne Erfolg.
Auf Eiche, Buche und Birke ausprobiert, leider noch nicht auf Malus. Habe ich auch noch nie gesehen. :o
Die Forschung tappt da immer noch im Dunkeln. Mein Traum wäre in der freuen Natur eine Mistel auf einer Eiche zu sehen,
das soll aber sehr selten sein.

Tolle Leistung, dass dir das gelungen ist! :kings_up:
Hast du zufällig eine Anleitung parat?

Hallo Isabel,

dein Beitrag ist dir wirklich gelungen! :--D
Viele Grüße
Tetje

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Bernd.S
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Bernd.S »

Hallo Tetje,

eine Anleitung hab ich nicht parat, aber ich hab so meine Theorien.
Was ist weis: Laubholz auch Laubholz Nadel auf Nadel. Ich gehe sogar soweit, daß ich sage Obstbaum auf Obstbaum.
Misteln auf Eiche und Buche hab ich auch noch nie gesehen.
Birke und Pappel schon. Vielleicht gehören die auch zusammen?
Ich hab meine Samen Jetzt, im Jan. / Feb. gesammelt, die Klebrige Sache dann in Alufolie und Plastiktüre in den
Kühlschrank und dann im März, April, sobald sich an den Knospen des geplanten Baumes was regt, die dann in Astgabeln
jüngerer Zweige (max 1 cm Durchmesser, noch keine Borke) reingeklebt.
Wie gesagt: viele Versuche, aber letztendlich hat es doch irgendwann einmal geklappt. Nun hab ich immerhin die Chance in 1-2 Jahren
die Blüten meiner Mistel in "Fotografierhöhe" zu bekommen.
Hope this helps....
Viele Grüße
Bernd
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LaoLu
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von LaoLu »

Hallo zusammen,

ich nehme mal an, das Vorkommen von Misteln ist auch regional begrenzt. Bei uns, im Erzgebirge und den Ausläufern habe ich noch nie eine Mistel endeckt. Eigentlich schade.
Zuletzt geändert von Tetje am Mo 19. Jan 2026, 11:09, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Anrede nachgetragen
Viele Grüße
Uwe
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Re: Viscum album - weißbeerige Mistel

Beitrag von Tetje »

Hallo Bernd, hallo Uwe,

eigentlich findet man sie fast immer im Flachland an Bächen oder kleinen Flüssen. Ein Vorkommen habe ich an einem großen See entdeckt. Im Botanischen Garten in Köln gibt es auch ein Vorkommen. In diesem Jahr versuche ich es erneut. Ich warte bis April und danke für den Tipp. :--D

Ich stelle mal einen Link ein, damit ihr das Thema verfolgen könnt:
https://www.deutsches-pflanzen-forum.de ... it=misteln

Isabel, ist das Ok für dich mit der Diskussion? :--D
Viele Grüße
Tetje

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