Iris aphylla
Verfasst: Di 7. Jan 2014, 15:25
Iris aphylla,
ein Züchtungsbericht.
Wenn es eine wilde Bartiris gibt, die es verdient in unsere hochgezüchteten Gartenhybriden eingekreuzt zu werden, dann ist es Iris aphylla. Keine Wildart stößt so weit nach Norden vor wie sie. Gab es doch Standorte an den östlichen Ausläufern des Harzes und im Voigtland, was auf eine beachtenswerte Winterhärte und Regenfestigkeit schließen lässt. Sie zieht im Winter weitgehend ein, worauf auch schon der Name aphylla (=blattlos) hinweist. Ein Eigenschaft, auf die besonders hingewiesen werden muss, ist die reiche Verzweigung des Blütenstandes bei Beibehaltung des niedrigen Wuchses. Ich habe eine Form, die nicht über 20 cm hoch wird, dabei verzweigt sich der Blütenstängel vom Boden an, und im Allgemeinen gilt doch, je kleiner eine Bartiris ist, desto weniger Blüten je Stiel hat sie.
Ein manchmal unerwünschter Nachteil ist die violette Farbe der Blüten. Diese hat sich in Kreuzungen mit andersfarbigen Partnern als extrem dominant erwiesen. Ich war deshalb sehr überrascht, als ich hörte, dass in den USA eine weiße Form kursierte. Diese Ostry White oder B-66-2 genannte Varietät war vor Jahren von Dr. Blazek in der Nähe von Ostry in der Tschechischen Republik gefunden worden. Dr.Blazek schrieb mir, er habe noch einen anderen weißen Klon in der Nähe von Melnic gefunden. Natürlich habe ich beide miteinander gekreuzt, und zu meiner Überraschung blühten von 14 Sämlingen 13 violett. Der einzige weiße war außerdem schwachwüchsig.
Zu dieser Zeit waren meine Bemühungen gelbe aphyllas zu züchten schon weit fortgeschritten. Als erstes hatte ich die tetraploide Little Dolly, eine lycopin-rosafarbige Table Iris mit I.aphylla gekreuzt: Alle Sämlinge waren fertil und blühten violett. Parallel dazu kreuzte ich die kleine gelbe, aber diploide I.reichenbachii mit der tetraploiden I.aphylla. Hier war der Samenansatz stark reduziert, aber es reichte für eine Reihe von Sämlingen. Unter den vielen violetten waren zwei schmutzig gelbe, aber wie zu erwarten war, waren sie als triploide ziemlich steril. Im Verlauf der nächsten Jahre konnte ich aus der Kreuzung 2) x 1), d.h. triploid x tetraploid drei gesunde Samenkörner gewinnen, die mit Hilfe von Embryonenkultur zu drei Pflanzen wurden, zwei davon blühten schmutzig gelb, aber sie waren fertil. Da war der Bann gebrochen und in den Folgegenerationen erschienen mehrere rein gelbe aphyllas, übrigens auch ein paar wüchsige weiße. Einer dieser gelbblühenden "aphyllas" ist unter dem Namen 'Gladbeck Yellow' bei der AIS (American Iris Society) registriert worden.
Harald
ein Züchtungsbericht.
Wenn es eine wilde Bartiris gibt, die es verdient in unsere hochgezüchteten Gartenhybriden eingekreuzt zu werden, dann ist es Iris aphylla. Keine Wildart stößt so weit nach Norden vor wie sie. Gab es doch Standorte an den östlichen Ausläufern des Harzes und im Voigtland, was auf eine beachtenswerte Winterhärte und Regenfestigkeit schließen lässt. Sie zieht im Winter weitgehend ein, worauf auch schon der Name aphylla (=blattlos) hinweist. Ein Eigenschaft, auf die besonders hingewiesen werden muss, ist die reiche Verzweigung des Blütenstandes bei Beibehaltung des niedrigen Wuchses. Ich habe eine Form, die nicht über 20 cm hoch wird, dabei verzweigt sich der Blütenstängel vom Boden an, und im Allgemeinen gilt doch, je kleiner eine Bartiris ist, desto weniger Blüten je Stiel hat sie.
Ein manchmal unerwünschter Nachteil ist die violette Farbe der Blüten. Diese hat sich in Kreuzungen mit andersfarbigen Partnern als extrem dominant erwiesen. Ich war deshalb sehr überrascht, als ich hörte, dass in den USA eine weiße Form kursierte. Diese Ostry White oder B-66-2 genannte Varietät war vor Jahren von Dr. Blazek in der Nähe von Ostry in der Tschechischen Republik gefunden worden. Dr.Blazek schrieb mir, er habe noch einen anderen weißen Klon in der Nähe von Melnic gefunden. Natürlich habe ich beide miteinander gekreuzt, und zu meiner Überraschung blühten von 14 Sämlingen 13 violett. Der einzige weiße war außerdem schwachwüchsig.
Zu dieser Zeit waren meine Bemühungen gelbe aphyllas zu züchten schon weit fortgeschritten. Als erstes hatte ich die tetraploide Little Dolly, eine lycopin-rosafarbige Table Iris mit I.aphylla gekreuzt: Alle Sämlinge waren fertil und blühten violett. Parallel dazu kreuzte ich die kleine gelbe, aber diploide I.reichenbachii mit der tetraploiden I.aphylla. Hier war der Samenansatz stark reduziert, aber es reichte für eine Reihe von Sämlingen. Unter den vielen violetten waren zwei schmutzig gelbe, aber wie zu erwarten war, waren sie als triploide ziemlich steril. Im Verlauf der nächsten Jahre konnte ich aus der Kreuzung 2) x 1), d.h. triploid x tetraploid drei gesunde Samenkörner gewinnen, die mit Hilfe von Embryonenkultur zu drei Pflanzen wurden, zwei davon blühten schmutzig gelb, aber sie waren fertil. Da war der Bann gebrochen und in den Folgegenerationen erschienen mehrere rein gelbe aphyllas, übrigens auch ein paar wüchsige weiße. Einer dieser gelbblühenden "aphyllas" ist unter dem Namen 'Gladbeck Yellow' bei der AIS (American Iris Society) registriert worden.
Harald