Wie ein Buch über Bonsai Ehekrach vermeiden kann….
Verfasst: So 15. Apr 2012, 14:23
zugegeben, der Hinweis kommt für diese Gartensaison wohl zu spät, aber lieber spät als nie. Wenn man durch die Strassen spaziert und sich die Gärten in diesen Tagen ansieht, kann ich mir oft vorstellen, dass hier der eine oder andere Haussegen zumindest zeitweise schief hing: Was "aufräumen" und "schneiden" im Garten bedeutet, darüber gibt es zwischen den Geschlechtern traditionell unterschiedliche Vorstellungen. Während die Frauen unter einem "Gehölzschnitt" oder einem "Rückschnitt" ein zaghaftes kürzen einzelner Triebe verstehen, haben wir Männer darüber oft eine radikalere Ansicht und greifen wesentlich weiter unten zur Schere. Während Frauen ob einer einzelnen Blüte in 2m Höhe die unteren blattlosen Stangen problemlos übersehen, empfinden Männer verholzte Triebe und kahle Äste als Angriff auf unser ästhetisches Grundverständnis. Pflanzenphysiologisch völlig korrekt, verstehen wir intuitiv, dass unten nur was Grünes austreiben kann, wenn zum einen genug Licht dorthin gelangt und dass der Saft nicht bis in die Spitzen abfließen darf. Beide Voraussetzungen schaffen wir mit einem beherzten Schnitt, vorzugsweise möglichst weit unten. Eben dort, wo wir uns das neue Grün und die frischen Triebe wünschen. Und da wir schon mal dabei sind und keine halben Sachen lieben, kommen alle anderen Stecken der Reihe nach auch unter die Schere. Klar, das sieht momentan sehr unschön aus, aber wir trösten uns im Gedenken an das üppige Wachstum, das durch unsere Maßnahme zukünftig befördert wird. Aber wie jedes Mal wird unser Stolz auf das im Schweiße des Angesichts geleistete jäh durch das entsetzte Aufstöhnen der Gärtnerin an unserer Seite schwer getrübt, das sich nicht selten bis in eine Tränenflut steigern kann. Und schon ist der Abend oder sogar das Wochenende gelaufen.
Hier liegt wie so oft die Lösung in der goldenen Mitte und das Finden der Mitte ist eine zentrale Aufgabe des ZEN, der Philosophie der Ruhe und der Ausgeglichenheit. Über Jahrhunderte hat das ZEN die Kunst des Bonsai entwickelt, die ja keineswegs mit der Freude an Miniaturbäumen gleichzusetzen ist, sondern die Schaffung eines natürlichen Kunstwerkes durch behutsame, respektvolle gestalterische Eingriffe in die Natur über Jahre und Jahrzehnte bedeutet.
Wenn wir diese Philosophie auf den Maßstab unseres Garten übertragen, so heißt das, dass wir ein eigenes Gesamtkunstwerk der gestalteten Natur herstellen möchten, das organisch aus vielen gestalterischen Elementen ent- und besteht. In einem solchen Gesamtrahmen kann ein radikaler Rückschnitt immer nur eine Notmaßnahme sein. Eher sollten wir analog versuchen, die Physiologie und Wuchsweise der mehrjährigen Pflanzen und Gehölze zu beobachten und zu verstehen, um diese dann durch geeignete Eingriffe zur vollen Entfaltung ihrer ornamentalen Wirkung im Gesamtbild des Gartens zu bringen.
Schon Ende des 17.Jahrhunderts haben Gärtner versucht, in dieser Weise tätig zu werden und ihr Wissen darüber weiter zu geben. Eines der bekanntesten Werke stammt vom Erzbischöflich-Salzburgischen Hofgärtner George Liegelsteiner: "Wohlgezogener Zwerg-Baum Oder Gründlicher Unterricht Wie die Frantz-Bäume gewartet werden müssen" aus dem Jahre 1702.
Für heutige Leser eignen sich eigentlich fast alle Bücher über Bonsai (nicht Zimmerbonsai!), vornehmlich die, die sich mit der Gestaltung von Miniaturbäumen aus heimischen Gehölzen befassen. Wenn Gärtnerin und Gärtner ein solches Buch lesen, sollte sich leicht ein gemeinsames Verständnis über die Richtigkeit von teils deutlichen Eingriffen als auch über Notwendigkeit des Erhalts einer ornamentalen Gesamtwirkung im eigenen Garten finden lassen.
Gruß
quercus alba
Hier liegt wie so oft die Lösung in der goldenen Mitte und das Finden der Mitte ist eine zentrale Aufgabe des ZEN, der Philosophie der Ruhe und der Ausgeglichenheit. Über Jahrhunderte hat das ZEN die Kunst des Bonsai entwickelt, die ja keineswegs mit der Freude an Miniaturbäumen gleichzusetzen ist, sondern die Schaffung eines natürlichen Kunstwerkes durch behutsame, respektvolle gestalterische Eingriffe in die Natur über Jahre und Jahrzehnte bedeutet.
Wenn wir diese Philosophie auf den Maßstab unseres Garten übertragen, so heißt das, dass wir ein eigenes Gesamtkunstwerk der gestalteten Natur herstellen möchten, das organisch aus vielen gestalterischen Elementen ent- und besteht. In einem solchen Gesamtrahmen kann ein radikaler Rückschnitt immer nur eine Notmaßnahme sein. Eher sollten wir analog versuchen, die Physiologie und Wuchsweise der mehrjährigen Pflanzen und Gehölze zu beobachten und zu verstehen, um diese dann durch geeignete Eingriffe zur vollen Entfaltung ihrer ornamentalen Wirkung im Gesamtbild des Gartens zu bringen.
Schon Ende des 17.Jahrhunderts haben Gärtner versucht, in dieser Weise tätig zu werden und ihr Wissen darüber weiter zu geben. Eines der bekanntesten Werke stammt vom Erzbischöflich-Salzburgischen Hofgärtner George Liegelsteiner: "Wohlgezogener Zwerg-Baum Oder Gründlicher Unterricht Wie die Frantz-Bäume gewartet werden müssen" aus dem Jahre 1702.
Für heutige Leser eignen sich eigentlich fast alle Bücher über Bonsai (nicht Zimmerbonsai!), vornehmlich die, die sich mit der Gestaltung von Miniaturbäumen aus heimischen Gehölzen befassen. Wenn Gärtnerin und Gärtner ein solches Buch lesen, sollte sich leicht ein gemeinsames Verständnis über die Richtigkeit von teils deutlichen Eingriffen als auch über Notwendigkeit des Erhalts einer ornamentalen Gesamtwirkung im eigenen Garten finden lassen.
Gruß
quercus alba